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Legitimierung intersektoraler Partnerschaften: Akteursstrategien in der institutionellen Komplexität von Staat, Wirtschaft und Zivilgesellschaft

Intersektorale Partnerschaften sind kollaborative Arrangements, in denen Akteure aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Sektoren (Staat, Wirtschaft, Zivilgesellschaft) Ressourcen und Informationen teilen, um mit gemeinsamen Zielen an gesellschaftlichen Problemen zu arbeiten. Ein wesentlicher Treiber der Verbreitung dieser Governance-Formen ist die Annahme, dass Partner mit verschiedenen sektoralen Hintergründen über unterschiedliche Ressourcen und Fähigkeiten verfügen und gesellschaftliche Probleme effektiver gelöst werden, wenn diese Komplementaritäten mit dem Ziel der ökonomischen, sozialen und ökologischen Wertschöpfung genutzt werden.

In der bisherigen Forschung überwiegt eine strukturelle Perspektive auf die Entstehungs- und Erfolgsbedingungen, die Ausgestaltung sowie Wirkungen intersektoraler Partnerschaften. Eine interaktionistische Perspektive auf die Mikroebene individueller Akteure, die in den Partnerschaften zusammenarbeiten, ist dagegen noch unterentwickelt. Diese Akteure sind nicht passive Empfänger der unterschiedlichen sektoralen Rahmenbedingungen und Erwartungsstrukturen von Staat, Wirtschaft und Zivilgesellschaft, sondern sie können ihnen zum Zweck der Legitimitätssicherung aktiv und strategisch begegnen. Die Legitimierung intersektoraler Partnerschaften ist insofern untersuchungsbedürftig, als ihr Erfolg nicht allein von ihrer funktionalen Effizienz, sondern auch von ihrer gesellschaftlichen Legitimität abhängt, sie aber aufgrund ihrer institutionellen Mehrdeutigkeit eine diffuse Zuschreibungseinheit von Legitimität sind.

Unser Forschungsvorhaben trägt dazu bei, die individuelle Akteursebene in intersektoralen Partnerschaften theoretisch und empirisch zu erfassen und in Wechselbeziehung zu übergeordneten organisationalen und sektoralen Kontexten zu stellen. Im Vordergrund stehenden die folgenden Forschungsfragen:

  1. Wie schlagen sich die sektoralen Logiken von Staat, Wirtschaft und Zivilgesellschaft sowie die organisationalen Logiken von öffentlichen, privaten und Nonprofit-Organisationen in Identitätsansprüchen und Interpretationsmustern von Akteuren nieder, die in intersektoralen Partnerschaften zusammenarbeiten?
  2. Mit welchen Handlungsstrategien begegnen die Akteure den potenziell konfliktären Logiken ihrer Sektoren und Organisationen?
  3. Wie wirken sich die Handlungsstrategien der Akteure auf die Entstehung und Sicherung interner und externer Legitimität der Partnerschaft aus, und in welchem dynamischen Wechselverhältnis stehen diese interne und externe Legitimität?

Als theoretischer Rahmen dient uns das im soziologischen Institutionalismus entwickelte Konzept der institutionellen Logik. Das Forschungsvorhaben folgt einem prozessorientierten Fallstudiendesign und untersucht trisektorale Partnerschaften in drei Tiefenfallstudien.

Das Projekt wird in Zusammenarbeit mit der Helmut-Schmidt-Universität Hamburg (Prof. Dr. Markus Göbel) und der Universität Hamburg (Prof. Dr. Rick Vogel) durchgeführt.

Weitere Informationen finden sich unter: gepris.dfg.de/gepris/projekt/394824300