Forschungsschwerpunkte
Organisationstheorie
Organisationstheorien dienen dazu, den Zweck, das Entstehen, das Bestehen sowie den Wandel und die Funktionsweise von Organisationen besser zu verstehen und/oder systematisch zu erklären. Unterschiedliche Theorien legen dabei unterschiedliche Schwerpunkte (z.B. formale Strukturen vs. Wertesysteme), verfolgen unterschiedliche Ziele (z.B. rationale Gestaltung vs. interpretatives Verstehen) und kommen dadurch zu unterschiedlichen Handlungsempfehlungen für die Praxis.
Das Institut für Strategische Unternehmensführung und Organisation forscht zu verschiedenen Organisationsformen wie beispielsweise unternehmerischen Netzwerken, Strategischen Allianzen oder Cross-Sektor-Partnerschaften (z. B. das abgeschlossene DFG-Projekt "Legitimierung intersektoraler Partnerschaften"). Ein besonderer Forschungsschwerpunkt liegt auf der Analyse und dem Verstehen inter- und intra-organisationaler Beziehungen, also dauerhafter Netzwerke, die zwischen und innerhalb von Organisationen auftreten. Das Institut arbeitet hierbei sowohl qualitativ (interpretativ) als auch quantitativ (inferenzstatistisch und strukturalistisch): Basierend auf Social Capital-Ansätzen sowie dem Relational View (Dyer & Singh 1998, 2018) befassen sich die Mitarbeiter mit Fragen nach komplementären Kompetenzen und Ressourcen. Auf dieser Grundlage erforschen sie positive und negative Netzwerkeffekte, die Entstehung von Netzwerken sowie die Veränderung von Netzwerkstrukturen. In einem aktuellen DFG-Projekt mit dem Titel „ Positive and Negative Network Ties of Entrepreneurial Households in Sub-Saharan Africa – Drivers, Interplay and Consequences” erforschen wir unter der Anwendung qualitativer und quantitativer Methoden, welche Mechanismen die Netzwerke von tansanischen Entrepreneuren prägen und welche finanziellen, aber auch nicht-finanziellen Konsequenzen von verschiedenen Arten der Beziehungen ausgehen. In diesem Forschungsprojekt hinterfragen wir bewusst kritisch, inwieweit sich etablierte Theorien der Organisationsforschung auf nicht- westliche Kontexte übertragen lassen, welche Veränderung sie erfahren müssten oder ob es in Teilen gänzlich neuer Modelle und Theorien bedarf.
Weitere am UfO-Institut häufig verwendete organisationstheoretische Linsen sind im klassischen Strategischen Management (z.B. Upper Echelon Theorie und Konfigurationstheorie) zu verorten, aber auch im Bereich der Phänomenologie sowie des Neo-Institutionalismus.
Strategic Leadership
Forschung im Bereich Strategic Leadership befasst sich mit der Frage, wie das Verhalten und die Entscheidungen mächtiger Akteure (z.B. Geschäftsführer, Mitglieder der C-Suite und andere Top-Manager) Organisationen beeinflussen. Eine zentrale theoretische Grundlage bildet die Upper Echelons Theory (Hambrick & Mason, 1984), die einen kausalen Zusammenhang zwischen den psychologischen Eigenschaften strategischer Entscheidungsträger (z.B. Kognitionen, persönliche Werthaltungen und Persönlichkeitsmerkmale) und deren strategischen Entscheidungen postuliert.
Seit der Begründung der Upper Echelons Theory durch Hambrick und Mason (1984) zeigen sich jedoch erhebliche empirische Herausforderungen bei der eindeutigen Überprüfung ihrer kausalen Annahmen. Diese resultieren insbesondere aus der geringen Bereitschaft von Top-Managern, an klassischen psychometrischen Tests zur Erfassung psychologischer Eigenschaften teilzunehmen. Vor diesem Hintergrund greifen Forschende bis heute auf Approximationen psychologischer Merkmale in Form leicht beobachtbarer Eigenschaften und beruflicher Erfahrungen von Top-Managern (z.B. Alter, Bildungsweg, Industrieerfahrung) zurück, um die Annahmen der Upper Echelons Theory empirisch zu untersuchen.
Das Institut für Strategisches Management und Organisation erforscht, wie gut und unter welchen Bedingungen sich solche leicht beobachtbaren Merkmale als valide Proxy-Variablen für psychologische Eigenschaften zur Erklärung strategischer Entscheidungen eignen. Darüber hinaus untersucht das Institut mithilfe set-theoretischer Methoden (z.B. fsQCA), ob sich konsistente Konfigurationen psychologischer und beobachtbarer Eigenschaften von Top-Managern identifizieren lassen, die strategische Entscheidungen erst in ihrer Kombination erklären. Dieses Vorgehen ermöglicht die Identifikation von Top-Manager-Profilen, die – in Anlehnung an klassische Typologien des strategischen Managements (z. B. Miles und Snow, 1978; Porter, 1980) – zur Reduktion theoretischer Komplexität beitragen und zugleich die Erklärungskraft und Vorhersagefähigkeit der Modelle erhöhen.
Innovationsmanagement
Zunehmender internationaler Wettbewerb und beschleunigter technologischer Wandel kennzeichnen das Umfeld, in dem Unternehmen bestehen müssen. Technischer und organisatorischer Fortschritt sind dabei entscheidende Anforderungen an Organisationen, um der Dynamik dieser Wettbewerbssituation langfristig gerecht zu werden. Neben den damit erforderlichen Prozess- und Produktinnovationen können auch innovative Geschäftsmodelle (Business Models) eine Quelle entsprechender Wettbewerbsvorteile darstellen. Diesen innovativen Business Models wird von Wissenschaft und Praxis zunehmend eine entscheidende Bedeutung für die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen beigemessen.
Obgleich Geschäftsmodelle also unbestritten den Kern jedes Unternehmens darstellen, existiert bisher kaum Forschung dazu, wie innovative Geschäftsmodelle entstehen. Am Institut für Strategische Unternehmensführung und Organisation konzentrieren wir uns daher auf den Entstehungsprozess von Geschäftsmodellen, sowohl in etablierten Unternehmen als auch in Start-Up-Firmen, um Erkenntnisse darüber zu erlangen,wie der Prozess der Entstehung neuer Business Model konkret verläuft.
Social Entrepreneurship, Social Innovation und Social Impact
Weltweit suchen Gesellschaften nach innovativen Strategien zur Lösung komplexer Probleme in sozialen, gesundheitlichen und ökologischen Bereichen, die bislang weder von Regierungen noch über den Markt mit genügend Engagement oder zufriedenstellendem Ergebnis angegangen werden. Als Antwort auf diese Herausforderungen haben sich Sozialunternehmer engagiert, die mit innovativen Konzepten Chancen wahrnehmen und ergreifen, soziale Bedürfnisse, die das staatliche Sozialsystem nicht (mehr) erfüllt oder erfüllen kann, auf andere Weise zu befriedigen. Von herkömmlichen Unternehmern unterscheiden sich Sozialunternehmer u.a. dadurch, dass sie soziale Ziele höher als finanzielle Ziele priorisieren.
Eine besonders bedeutende Frage im Rahmen von social entrepreneurship ist die nach der Messung des angestrebten social impact, der entscheidenden Kennzahl, um die Wirksamkeit von Sozialunternehmen erfassen und vergleichen zu können.
Wie hoch ist die soziale Wirkung (social impact) eines Projekts oder eines Unternehmens, das die sanitäre Situation in Slums verbessert? Und erzielt dieses Projekt/Unternehmen eine höhere Wirkung als ein Projekt/Unternehmen, das Mikrokredite an Menschen unter der Armutsgrenze vergibt? Mit diesen beispielhaften und ähnlichen Fragestellungen beschäftigt sich das Themengebiet Bewertung und Vergleich sozialer Wirkung. Dabei werden bestehende Ansätze analysiert, neue Ansätze entwickelt sowie Gemeinsamkeiten und Unterschiede zur Messung finanzieller Wertschöpfung herausgearbeitet. Innerhalb dieses Themas ist ein Paper zur Vergleichbarkeit sozialer Wirkung entstanden. Weitere Paper sind in Arbeit.
Unsere konzeptionelle Arbeit zur Messung sozialer Wirkung wenden wir auch in der Praxis im Rahmen eines Kooperationsprojektes mit der Hanns R. Neumann Stiftung an, die sich in der Verbesserung der Lebensbedingungen von im Kaffeeanbau tätigen Kleinbauern und ihren Familien, dem Umweltschutz und der Förderung der Perspektiven junger Menschen engagiert. Angefangen mit den Ländern Tansania und Uganda evaluieren wir derzeit abgeschlossene Projekte der Stiftung und versuchen, Wege herauszuarbeiten, wie die Stiftung ihren Impact weiter maximieren kann. Aus der Kooperation ergeben sich darüber hinaus auch neue Forschungsideen, etwa dazu, wie eine möglichst nachhaltige und sinnvolle Nutzung sozialer Innovationen gefördert werden kann oder welche Rolle Werte im Kontext der Projektimplementierung spielen.
Im Rahmen unserer Forschung zu sozialer Wirkung, insbesondere im Kontext sozialunternehmerischer Strategiesetzung mit dem Ziel erfolgreicher Wirkungsskalierung, forschen wir darüber hinaus an einem Projekt zur konfigurationalen Beschaffenheit dieses Phänomens. Die Erkenntnis, dass Sozialunternehmen diverse und verschiedenartige Strategien zur Skalierung ihrer sozialen Wirkung zeitgleich verfolgen, diese allerdings mitunter verschieden sinnvoll vereinbar sind, legt nahe, dass Skalierung sozialer Wirkung als kausal komplexes Phänomen nicht gut mit klassischen Methoden beleuchtet werden kann. Wir nutzen daher QCA, um jene Skalierungsstrategiekombinationen herauszudestillieren, welche effektiv und konsistent zur erfolgreichen Wirkungsskalierung beitragen.